Andrologie / Würzburger Endokrinologe warnt vor
einer unkontrollierten Einnahme des Hormons wie in den USA
Die "DHEA-Therapie als Jungbrunnen taugt nichts"
Heidelberg (bd). Altersbedingte erniedrigte DHEA-Spiegel sind
per se noch kein Grund für eine Substitutionsbehandlung. Dies hat
der Würzburger Endokrinologe, Professor Bruno Allolio beim
Heidelberger Anti-Aging Kongreß erklärt. Er verurteilte "die wilde
Ausschüttung" des als Jungbrunnen gepriesenen DHEA in den USA, wo es
im Supermarkt frei erhältlich sei und rege gekauft werde.
So werden der "Wunderdroge" als Wirkungen zugeschrieben: sie soll
das Alter aufhalten, die Sexualität steigern, das Fett schmelzen
lassen, Krebs- und Herzerkrankungen minimieren. Diese Versprechungen
seien jedoch bislang nicht belegt, sagte Allolio und warnte vor
einer unkontrollierten Einnahme des Hormons.
So sei noch unklar, wer von einer Substitutionsbehandlung
profitiere. Ebensowenig wisse man über deren Risiken Bescheid, etwa
eine negative Beeinflussung hormonabhängiger Neoplasien wie des
Prostata- oder Mammakarzinoms. Allolio forderte kontrollierte
Studien, um die DHEA-Substitutionstherapie endgültig bewerten zu
können.
Er verwies auf die enttäuschenden Ergebnisse einer eigenen
Studie, in der gesunde Männer im Alter zwischen 50 und 70 Jahren mit
sehr niedrigen endogenen DHEA-Spiegeln über vier Monate das Hormon
erhielten. Damit habe man zwar einen DHEA-Anstieg auf das Niveau von
jungen Männern erreicht, Testosteron- und Dihydrotestosteron-Werte
hätten sich aber nicht geändert. Die Normalisierung der DHEA-Spiegel
habe überdies weder zu einer aktiveren Sexualität, noch zu besserem
Wohlbefinden oder einer Leistungssteigerung bei den Männern geführt.
Die Wirkung von Placobo und DHEA sei identisch gewesen.
Vielversprechend seien hingegen die Ergebnisse der
Substitutionsbehandlung bei Frauen mit einer Nebenniereninsuffizienz
gewesen, also mit einem pathologischem DHEA- und Testosteronmangel.
Durch die Substitution hätten sich die Testosteronspiegel
normalisiert, berichtete Allolio. Und mit dieser Normalisierung
hätten sich auch Libido und Sexualität und vor allem das allgemeine
Wohlbefinden verbessert. Ob diese erhebliche Verbesserung der
Lebensqualität bei den Frauen alleine auf den Androgeneffekt
zurückzuführen sei oder ob zusätzliche Wirkungen vorhanden seien,
wisse man derzeit aber noch nicht, räumte der Endokrinologe ein.
Experimentelle Studien belegen zumindest, daß DHEA neurosteroidale
und sexualstimulierende Effekte hat.
In einer neuen Untersuchung sei nun festgestellt worden, daß sich
durch eine DHEA-Substitution bei 15 männlichen Patienten mit
Symptomen des männlichen Klimakteriums wie Depression und
Energieverlust das Befinden gebessert habe.
Sein Fazit: Belegt ist der Nutzen einer DHEA-Substitution
derzeit nur für Frauen mit Nebenniereninsuffizienz. Unklar sei noch,
ob gesunde ältere Männer mit einem Hormonmangel, Patienten mit
chronischer Glukokortikoidtherapie und stark supprimiertem DHEA,
Frauen mit Androgendefizit nach Ovarektomie oder in der
Postmenopause oder Patienten mit einer endogenen Depression einen
Nutzen davon haben.