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Ärzte Zeitung, 11.01.2001

Andrologie / Würzburger Endokrinologe warnt vor einer unkontrollierten Einnahme des Hormons wie in den USA

Die "DHEA-Therapie als Jungbrunnen taugt nichts"

Heidelberg (bd). Altersbedingte erniedrigte DHEA-Spiegel sind per se noch kein Grund für eine Substitutionsbehandlung. Dies hat der Würzburger Endokrinologe, Professor Bruno Allolio beim Heidelberger Anti-Aging Kongreß erklärt. Er verurteilte "die wilde Ausschüttung" des als Jungbrunnen gepriesenen DHEA in den USA, wo es im Supermarkt frei erhältlich sei und rege gekauft werde.

So werden der "Wunderdroge" als Wirkungen zugeschrieben: sie soll das Alter aufhalten, die Sexualität steigern, das Fett schmelzen lassen, Krebs- und Herzerkrankungen minimieren. Diese Versprechungen seien jedoch bislang nicht belegt, sagte Allolio und warnte vor einer unkontrollierten Einnahme des Hormons.

So sei noch unklar, wer von einer Substitutionsbehandlung profitiere. Ebensowenig wisse man über deren Risiken Bescheid, etwa eine negative Beeinflussung hormonabhängiger Neoplasien wie des Prostata- oder Mammakarzinoms. Allolio forderte kontrollierte Studien, um die DHEA-Substitutionstherapie endgültig bewerten zu können.

Er verwies auf die enttäuschenden Ergebnisse einer eigenen Studie, in der gesunde Männer im Alter zwischen 50 und 70 Jahren mit sehr niedrigen endogenen DHEA-Spiegeln über vier Monate das Hormon erhielten. Damit habe man zwar einen DHEA-Anstieg auf das Niveau von jungen Männern erreicht, Testosteron- und Dihydrotestosteron-Werte hätten sich aber nicht geändert. Die Normalisierung der DHEA-Spiegel habe überdies weder zu einer aktiveren Sexualität, noch zu besserem Wohlbefinden oder einer Leistungssteigerung bei den Männern geführt. Die Wirkung von Placobo und DHEA sei identisch gewesen.

Vielversprechend seien hingegen die Ergebnisse der Substitutionsbehandlung bei Frauen mit einer Nebenniereninsuffizienz gewesen, also mit einem pathologischem DHEA- und Testosteronmangel. Durch die Substitution hätten sich die Testosteronspiegel normalisiert, berichtete Allolio. Und mit dieser Normalisierung hätten sich auch Libido und Sexualität und vor allem das allgemeine Wohlbefinden verbessert. Ob diese erhebliche Verbesserung der Lebensqualität bei den Frauen alleine auf den Androgeneffekt zurückzuführen sei oder ob zusätzliche Wirkungen vorhanden seien, wisse man derzeit aber noch nicht, räumte der Endokrinologe ein. Experimentelle Studien belegen zumindest, daß DHEA neurosteroidale und sexualstimulierende Effekte hat.

In einer neuen Untersuchung sei nun festgestellt worden, daß sich durch eine DHEA-Substitution bei 15 männlichen Patienten mit Symptomen des männlichen Klimakteriums wie Depression und Energieverlust das Befinden gebessert habe.

Sein Fazit: Belegt ist der Nutzen einer DHEA-Substitution derzeit nur für Frauen mit Nebenniereninsuffizienz. Unklar sei noch, ob gesunde ältere Männer mit einem Hormonmangel, Patienten mit chronischer Glukokortikoidtherapie und stark supprimiertem DHEA, Frauen mit Androgendefizit nach Ovarektomie oder in der Postmenopause oder Patienten mit einer endogenen Depression einen Nutzen davon haben.


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